JUGEND FÜR VIELFALT, TOLERANZ UND DEMOKRATIE GEGEN RECHTSEXTREMISMUS, FREMDENFEINDLICHKEIT UND ANTISEMITISMUS Koordinierungsstelle Lokaler Aktionsplan der Stadt Sassnitz |
Stadt Sassnitz
Wirtschaftsförderung,
Tourismus und Kultur
Frau Kubenka-Kraffzik
Postfach 11
Tel: 03 83 92 - 68 10 6
Fax: 03 83 92 - 68 15 1
e-mail: projekte@sassnitz.de
| zurück |
Der Weg der StolpersteineTräger: Verein zur Entwicklung und Förderung einer aktiven Freizeitgestaltung für Kinder und Jugendliche in Sassnitz e.V.Abschlussbericht: Zur Mitarbeit im Stolpersteinprojekt waren alle Schulformen eingeladen. Die 9. Klasse der Förderschule ist fast vollständig zur Eröffnung erschienen. Von der Regionalen Schule haben sich viele an den Gedenkstättenführungen beteiligt, aber nur fünf Mädchen an den Recherchen, was dem außerschulischen Charakter der Veranstaltung geschuldet war. Nach Beginn der Recherchearbeit und der Erkenntnis, dass es sich um eine fast detektivische Spurensuche handelt, beteiligten sich jedoch viele regelmäßig und intensiv an den Treffen. Einen Versuch war es wert, die Kinder des Freizeitzentrums mit einzubeziehen. Es kam jedoch zu keiner kontinuierlichen Beteiligung am Projekt. Einzelne Jugendliche informierten sich unregelmäßig über das Projekt, doch zur Mitarbeit entschieden sie sich leider nicht. Lediglich zur Stolpersteinverlegung erschienen einige Jugendliche. Den beteiligten Schüler/ innen wurden zu Beginn des Projektes Fragmente von tragischen Lebensgeschichten ehemaliger Sassnitzer Einwohner vorgestellt. In regelmäßigen außerschulischen Treffs recherchierten die Jugendlichen nach Lebensweg, geschichtlichem Hintergrund, opfergruppenspezifischen Hintergründen, Hinterbliebenen dieser ehemaligen Einwohner. Den Schüler/ innen wurden Handreichungen für die Recherche in Archiven vor Ort und Techniken für Zeitzeugeninterviews gegeben. Auf Grundlage des Materials vervollständigten sie die Biographien der Opfer. Mit ihrer Recherchearbeit konnten die Jugendlichen Geschichte konkret und real für sich selbst und andere erfahrbar machen. Fachlich betreut wurden die Forscher durch Referenten der Stiftung Neue Kultur-Dokumentationszentrum Prora und weiteren lokal tätigen Geschichtsforschern. Engagierte Lehrer der jeweiligen Schulen hatten sich zur Hilfestellung bereiterklärt und begleiteten die Jugendlichen bei den Besuchen des Dokumentationszentrums Prora, des ehemaligen Konzentrationslagers Ravensbrück und des ehemaligen Stasigefängnisses in Rostock. Daran anknüpfend wurde das Stolperstein-Projekt des Künstlers Gunter Demnig vorgestellt. Die Schüler bekamen den Auftrag, die Organisation der Verlegung der Gedenksteine, die Vorträge am Stolperstein und die anschließende Präsentation ihrer Broschüre im Rathaus zu planen und umzusetzen. Der "historische Stadtrundgang", eine Broschüre, die die Schüler mit Hilfe einer Grafikerin erstellt haben, beinhaltet alle Informationen von Opfern, für die Stolpersteine in Sassnitz verlegt worden sind. Diese dient nun als Stadtführer für Schüler, Einwohner und Gäste der Stadt und wird regelmäßig in den Geschichtsunterricht, in die Touristenzentren und Museen gegeben und nachgefragt. In einer Abschlussveranstaltung wurden die einzelnen Aktionen, die technischen als auch inhaltlichen Probleme kritisch reflektiert und der Öffentlichkeit präsentiert. FAZIT: Die Recherche bezog sich nicht nur auf das Durcharbeiten von vorhandenem Textmaterial, sondern wurde aufgelockert durch Interviews mit Zeitzeugen. Die Personen konnten interessante Geschichten erzählen, die sich nicht nur auf den Fakt bezogen, sondern noch jede Menge eigene Erfahrungen und Reflexionen der Ereignisse mitgaben. Gleichwohl sind Ausdauer und Kompetenzen im Finden von Informationsquellen defizitär. Die Idee der Vermittlung von politischer Bildung auf emotionaler Ebene ist in jedem Fall erfolgversprechender, als theoretisches Lernen. Negative schulische Erfahrung führt zunächst zu Desinteresse für ein historisches Thema. Trotzdem konnte das Projekt aufgrund der großen Begeisterung der Beteiligten erfolgreich werden Durch Projektangebote von Vereinen fühlen sich Schule mit ihrem Defizit zeitlicher Ressourcen wahrgenommen. Der regionalgeschichtliche Bezug erleichtert das Verstehen des Gesamtzusammenhangs. Schüler erkennen, dass ihre Beschäftigung mit dem Thema Achtung bei den Einwohnern erfährt. Einen Entwicklungsschub brachte auch der Vortrag vor Publikum. Insgesamt war die Recherche zu den Opfern, die Erstellung der Broschüre, die Verlegung der Stolpersteine, die Beteiligung von Angehörigen der Opfer und Vertretern von Stadt und Presse für die Beteiligten außergewöhnlich. Für die Schüler/ innen stellten sie die Möglichkeit dar, sich mit der Geschichte anschaulich und lebensnah zu beschäftigen. Pädagogisch vorteilhaft war, dass die Schüler/ innen das Ergebnis ihrer Arbeit, die Stolpersteinverlegung und die Publikation der Broschüre, betrachten konnten. |